Certificazioni
formazione
e servizi

Das Empfinden von Zukunft

Von Norbert Lantschner - Es ist still geworden in unserem Lande.

Es ist still geworden in unserem Lande. Still um die zukunftsträchtigen Themen rund um Energie, Umwelt und Klima. Es stimmt, wir werfen keine Abfälle mehr in Wald und Flüsse. Wir trennen inzwischen fleißig den Müll und alte Kühlschränke oder Waschmaschinen. Sofern sie nicht direkt vom Händler zurückgenommen werden, bringen wir sie zu den Entsorgungseinrichtungen, die wir im Lande kapillar eingerichtet haben. Vielleicht bauen oder sanieren wir unsere Häuser etwas energiebewusster als südlich von Salurn, aber ansonsten sind wir träge und satt geworden. Was schert uns, dass unsere Lebensweise die nächsten Generationen gefährdet. Wir nehmen sogar unmittelbare Beeinträchtigungen achselzuckend hin. In unseren Haupttälern sorgt der motorisierte Verkehr für dicke Luft, sodass die Grenzwerte der Europäischen Union teils erheblich überschritten werden. Dass dadurch unsere Gesundheit beeinträchtigt oder sogar gefährdet wird und unsere Böden wie auch das Grundwasser verseucht werden, ist nicht einmal mehr eine Schlagzeile wert.

Andere Herausforderung: Energie: Während alle Nationen und auch Konzerne die Energiefragen in ihren Agenden ganz oben platziert haben, denn ohne Energie geht sprichwörtlich gar nichts, streiten wir uns nur darum, wer und wie viel vom Energiekuchen der Wasserkraft im Lande abbekommt. Machen wir uns nichts vor, wir produzieren zwar mehr Strom durch relativ saubere Wasserkraft als wir im Jahr verbrauchen, aber unserer täglicher Bedarf bringt es mit sich, dass wir auch jene Elektrizität nutzen, die mit schmutziger Kohle und Erdöl oder aus gefährlicher Atomenergie gewonnen wird. Und wir zählen mit unseren Pro-Kopf-Energiekonsum zur Weltspitze.

Die Kehrseite der Energie-Medaille ist der menschengemachte Klimawandel. Darüber wurde zwar viel geredet, aber was unternehmen wir konkret, um zu vermeiden, dass die Konzentration von klimarelevanten Gasen in der Atmosphäre nicht zum klimatischen Super-Gau führt. Klimaschutz ist inzwischen ein Thema für Sonntagsreden und lässt sich, wie wir gesehen haben, vorteilhaft im Tourismus vermarkten, aber ansonsten interessiert uns nicht, dass die Erderwärmung in eine gefährliche Beschleunigungsschleife fährt. Keine Frage, wir sind ein winziges Land mit etwa einer halben Million Einwohner, in China wachsen Städte nahezu wöchentlich aus dem Boden, die um ein vielfaches größer sind. Am Ende stört kein schlechtes Gewissen unsere Lust auf Konsum. Wir heißen das Wirtschaft: entnehmen Rohstoffe aus der Natur und verwandeln sie in Abfälle. Dabei verbrauchen wir unvorstellbare Energiemengen und greifen teils irreversibel in sämtliche Ökosysteme ein.

Wir kaufen Autos aus Korea, besorgen uns Möbel aus Taiwan und suchen Jeans, die eine halbe Weltreise hinter sich haben, bis sie gewaschen und mit Knöpfen in unserem Wandschrank hängen. Beim Handy in unserer Tasche wissen wir gar nicht mehr, welches Zusammenspiel von Rohstoffen und Ausbeutung von Mensch und Umwelt stattfindet. Ähnlich schaut es aus, wenn wir unter die Lupe nehmen, was auf unsere Teller kommt. Das Steak aus Südamerika und die Trauben aus Chile zur Winterzeit sind viel zitierte Beispiele eines nicht zukunftsfähigen Verhaltens einer wachsenden Schar von Menschen. Der direkte und indirekte Energiekonsum der Südtirolerinnen und Südtiroler nimmt im internationalen Ländervergleich eine Spitzenposition ein. Ebenso spitzenmäßig ist unsere schlechte Bilanz beim Ausstoß von Klimagasen, wenn wir unsere Konsumgüter miteinbeziehen. Aber wir sind stolz, dass unser ultraflacher Fernsehmonitor zusammen mit der restlichen Hightech Anlage im Wohnzimmer u?ber eine Stand-by-Taste verfügt.

Einwand, sagen Sie. Wir sind sehr wohl für den Natur- und Umweltschutz, wir haben beispielsweise gegen den Ausbau des Flughafens vehement protestiert. Hand aufs Herz, dieser laue Gegenwind, den dieses Vorhaben erfahren hat, kommt wohl eher einem verhaltenen Handaufheben gleich. Es stellt in keiner Weise unser System in Frage: Ein steter Reigen um mehr und noch mehr, größer und noch größer, schnell und noch schneller. Oder anders ausgedrückt, wir sind gierig, wir sind unersättlich. Eine absurde Logik des Fortschritts, der unermüdlich Ressourcen verschlingt.

Jeden Tag wird in Südtirol eine Fläche so groß wie ein Fußballfeld verbaut, hat kürzlich der Bauernbund vorgerechnet. Natur und Landschaft wird umgebaut, um Platz zu machen für Straßen und Parkplätze, für Hotels, Ferien-, Wohnund Industrieanlagen und andere zeitgemäße Sport- und Freizeiteinrichtungen. Wie lange kann dieses Spiel noch dauern, wo die nutzbaren Flächen in Südtirol eh schon sehr begrenzt sind? Der Bodenverbrauch ist für jedermann sicht- und spürbar, das Artensterben hingegen wirkt leise und stumm. Aber uns geht es gut. Aus der neuesten ASTAT-Studie geht hervor, dass fast zwei Drittel der Südtiroler und Südtirolerinnen mit ihrem Leben derzeit sehr zufrieden sind. Lebten alle Menschen wie wir Südtiroler, bräuchte die Menschheit ungefähr drei Erden. Das bisschen Wald, das an einem Wochenende im August in einer Hauruckaktion in Sexten den Baggern zum Opfer fiel, war notwendig, erklären die Befürworter, um den Skitourismus anzukurbeln. Auf jeden Fall war die Empörung, die dieses Vorgehen beim Durchboxen der Interessen einiger Weniger ausgelöst hat, auch bei den meisten Politikern nicht gespielt. Sie reichte leider nur für die Lebensdauer einer Eintagsfliege. Mag sein, dass immer mehr Menschen die Natur suchen, aber meist wird sie nur degradiert zur Landschaftskulisse. Für viele ist die Natur kein Wert für sich, sondern ein erweiterter Freizeittempel, wo im Mittelpunkt der Drang nach Erfolg und Leistung des Menschen stehen. Wer redet darüber, was sich ändern müsste, dass unsere Wirtschaftsweise zu viel Natur verbraucht und die Endlichkeit der Erde eine Grenze ist, die wir akzeptieren müssen? Der Konsum und die Liebe zum Geld sind die neue Religion und die Politik sind ihre Priester. Jeglicher Versuch, das unersättliche Ungeheuer in uns zu zähmen, ist bisher gescheitert. Die Reichen werden reicher und die Armen wie die Armut nehmen zu. Die besten Köpfe der Gesellschaft arbeiten daran, Begierden zu erzeugen. So werden uns ständig neue Wünsche vorgegaukelt, ohne deren Befriedigung das Leben unlebbar sei. Auf diese Weise wird die monströse Maschine Wachstum am Laufen gehalten. Wie gesagt, dass wir dabei die Erde verheizen und endliche Ressourcen unwiderruflich zerstören, reicht bestenfalls für umweltpolitische Bekenntnisse. Da ist es nicht verwunderlich, dass ein Mammutprojekt wie der Brennerbasistunnel realisiert wird. Eine Idee, die aus einer Ära stammt, wo wir noch grenzenlos an den Segen des technischen Fortschritts glaubten. Wir schieben Menschen und Waren hin und her, aber zu welchem Preis?

Im Namen des Fortschritts schaffen wir eine künstliche Welt und scheuen auch nicht davor zurück, in die Baupläne der Natur direkt einzugreifen. Rund um den Erdball wachsen die Anbauflächen, in denen gentechnisch veränderte Pflanzen gedeihen. Es stimmt, seit der Mensch sesshaft wurde, hat er begonnen, zunehmend sein Umfeld zu verändern. Nur heute leben über sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Mit Hilfe fossiler und atomarer Energien sowie moderner Technologien hat der Mensch ein Veränderungspotenzial in der Hand, das einzigartig in seiner Geschichte ist. Diese Möglichkeiten in Kombination mit unseren Eigenschaften von Gier und Wucher sind weder der Natur noch uns Menschen zuträglich. Gegen Gier und Begierden gibt es keine natürlichen Grenzen, es sei denn – wir schränken uns bewusst ein.

Bleiben wir in Südtirol, wo wir einen noch nie gekannten Reichtum leben. Rund um den Schlern hat sich ein Schleier über unser Denken und Fühlen gelegt. Die Menschen kennen für alles den Preis, aber sie haben das Empfinden für den Wert der Dinge verloren. Wir sind tränenlos geworden, nicht nur was die Zerstörung anderer Lebewesen und Lebensräume betrifft, sondern auch gegenüber Mitmenschen. Bilder menschlicher Schicksale und Tragödien, die sich im Mittelmeer seit geraumer Zeit abspielen, huschen immer wieder für Sekunden über unsere Bildschirme. Täglich sterben Menschen an unseren Außengrenzen, die Europa zu einer Festung gemacht haben. Sie sind in großer Not und Verzweiflung aufgebrochen, um in Europa ein besseres Leben zu finden. Aber wir sind mit uns beschäftigt. Damit, dass unsere Geschäfte uns noch mehr Reichtum bescheren.

Gibt es einen Ausweg aus dieser Entwicklungsfalle? Wir wissen in unserem Innersten, dass dieser Kurs dringend korrigiert werden muss, wenn wir eine gemeinsame Zukunft haben wollen. Aber welche Möglichkeiten bieten sich an, um die in uns unleugbar angelegten Begierden zu bändigen? Eine Politik, die nicht nur in Wahlkampfzeiten den Mensch und die Umwelt in den Mittelpunkt rückt, könnte helfen, Gegenkräfte zu aktivieren. Sie müsste sich um die zentrale Frage kümmern: Wie schaut ein gutes Leben aus? Was ist zu unternehmen, um mehr Gerechtigkeit und Fürsorge für die Mitwelt zu erreichen? Wie formulierte es Gandhi: „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier“.

Kreativität und Begeisterungsfähigkeit in unserem Land wecken, neue Lebensstile entwickeln und fördern. Vielleicht könnte am Ende es so uns gelingen, eine Wende einzuleiten, die die Werte wie Empathie, Gerechtigkeit, Mitsorge und das Anerkennen von Begrenztheiten als Bereicherung verstehen. Albert Schweitzer hat dazu ein prägnantes Leitbild und Handlungsmuster entworfen: „Ich will leben inmitten von Leben, das leben will“.
Vielleicht lernen wir noch ein neues Bewusstsein und leben danach: das Bewusstsein, genug zu haben.

Dicembre - 2017
Dom Lun Mar Mer Gio Ven Sab
  01 02
03 04 05 06 07 08 09
10 11 12 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31  

Eventi

News

Rivalue Hoval - Stima il fabbisogno energetico di un edificio e pianifica interventi di risanamento più adatti